Stellungnahme AdS e.V.
Stellungnahme des AdS e.V. zur Berichterstattung in der Sonntagsausgabe der FAZ vom 12.02.2012:
Ritalin: „Wer nicht passt, wird passend gemacht“ (Seite 1)
„Wo die wilden Kerle wohnten“ (Seite 2 und 3)
Beide Artikel sind tendenziös und beruhen auf schlechtem Journalismus; es wurde mangelhaft bis gar nicht recherchiert. Die befragten Experten haben sich nicht durch wissenschaftliche Veröffentlichungen zum Thema ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitäts-Störung) profiliert. Dagegen fehlen alle bekannten Expertennamen. Einige Behauptungen sind schlicht falsch und führen nur zur Verunsicherung der betroffenen Eltern.
„Ritalin ist eine Pille gegen eine erfundene Krankheit“: Die Störung ist real und ihre Existenz nachgewiesen. Dafür existieren bewährte Diagnosemethoden, auch wenn diese den befragten Experten des Artikels offensichtlich nicht bekannt sind. Ritalin (wie auch andere Präparate mit dem Wirkstoff Methylphenidat) ist kein Arzneimittel „gegen ADHS“, denn die ADHS bleibt bestehen.
Hartnäckige Vorurteile behindern immer wieder die Therapie von Kindern mit ADHS; dazu zählt in erster Linie die Behauptung, dass das Medikament abhängig macht. Das Gegenteil ist richtig. Es gibt in der ganzen Weltliteratur keinen einzigen nachgewiesenen Fall einer Abhängigkeit. Studien belegen das Gegenteil von Abhängigkeit: Kinder, deren ADHS medikamentös behandelt wurde, neigen später deutlich weniger zu Missbrauch von Alkohol, Tabak und Drogen.
Die Eltern werden verunsichert, indem man ihnen Schuldgefühle einredet. Überforderte Eltern, kaputte Familien, unfähige Lehrer, zu viele Computerspiele und zu wenig Kletterbäume, wie in der FAZ beschrieben, gibt es sicherlich, sie sind aber nicht die Ursache einer ADHS. Über die inzwischen bekannten neurobiologischen Hintergründe steht kein Satz in der FAZ!
Es geht nicht darum, die Kinder brav zu machen, sondern die Chance für ihre persönliche Entfaltung zu verbessern. Es geht nicht darum, die Kinder ruhig zu stellen, sondern ihnen eine Hilfestellung zu geben. Viele Kinder mit ADHS werden durch Medikamente überhaupt erst erreichbar für andere Behandlungsformen, wie z.B. Psychotherapie.
Im Sinne eines verantwortungsvollen Journalismus fordert der AdS e.V. die FAZ auf, zum Thema ADHS einen klarstellenden Artikel zu veröffentlichen – prominent platziert und in angemessenem Umfang. Man möge dieses Mal bitte mit der gebotenen Sorgfalt bei Experten recherchieren und diese auch korrekt zitieren.
Susanne Gröpel
1. Vorsitzende
AdS e.V.